Kaufwahn, Obsoleszenz u. wirtschaftl. Verschwendung

Neukauf besser als Reparatur?

Heute beschäftigen wir uns mal mit einem Thema, was man nicht nur von der Fotografie, sondern auch von allen anderen Bereichen her kennt. Und zwar geht es um den Kaufwahn - oder sogar Kaufzwang - und wir beschäftigen uns auch um die Zusammenhänge wie geplante Obsoleszenz und der wirtschaftlichen Verschwendung. Ziel des Beitrags ist natürlich nicht, zu verbieten neue Dinge wie zum Beispiel Objektive zu kaufen, sondern geht es nur darum, was die Auswirkungen einer neuen Anschaffung sind und ob man diese auch wirklich benötigt. Gerade jetzt, wenn der große Elektronikriese, der ja auch eine Kamera-Abteilung anbietet, die nächsten Tage 19% Rabatt auf alles gibt, gilt es diese Fragen zu klären.

Kaufwahn

Wenn man allein durch das Einkaufszentrum läuft, fällt es einem immer sehr gut auf. Allein in meiner privaten Erfahrung kenne ich Leute, die besitzen 4 Fernseher. Andere Leute kaufen sich jedes Jahr mindestens eine neue Kamera, weil die alte den neusten Standards nicht mehr gerecht ist. Man hört immer, dass die neue Kamera weniger rauscht und schärfere Bilder produziert. Schließlich kenne ich es auch von mir selbst. Mit der Zeit habe ich bereits 4 verschiedene Kamera Bodies gehabt. Von Micro-Four-Thirds über APS-C und Vollformat war alles mit dabei. Bei den Objektiven ist es mit den Jahren relativ konstant geblieben. Das ernüchternde Fazit ist, dass man mit jeder Kamera ordentliche Fotos machen kann. Ob man jetzt eine D90 schon seit 5 Jahren nutzt, wurde diese von der Qualität wohl nicht jeden Tag ein bisschen schlechter. Natürlich können die aktuellen Geräte mit doppelter Auflösung und sonstigen schönen Features "mehr und besser". Um schöne Fotos zu schießen reicht allerdings auch ein überholtes Modell.

Geplante Obsoleszenz

Obsoleszenz

Früher wurden Dinge für die Ewigkeit produziert. Wer kennt es nicht? Der Toaster oder die Waschmaschine, die schon seit 20 Jahren ihren Dienst erfüllt. Im starken Kontrast stehen da die Flachbildschirme von heute, die nicht einmal nach 2 Jahren ihren Dienst verweigern. Aber warum ist das so? Auch, dass jedes Jahr ein neues Produkt mit noch mehr Funktionen und Leistung auf den Markt kommt, fällt unter diesen Vorwand. Vor fast 100 Jahren hat sich ein kluger Kopf den Gedanken gehabt, dass man Produkte künstlich altern lassen kann, indem man jedes Jahr ein neues Produkt mit Veränderungen am Design und den Features herausbringt und einem Konsumenten vorjubelt, dass das Vorgängermodell nicht mehr zeitgemäß auf dem neusten Stand der Technik ist. Dabei wird das "alte" Modell von dem Können und der Leistung gar nicht besser oder schlechter.

Das schönste Beispiel war vor einiger Zeit bei einer Bekannten. Ihr Laptop war laut Ferndiagnose am Telefon mit erheblichen Viren oder Ad-Ware befallen. Resultat war, dass das Notebook dadurch von der Leistung und Geschwindigkeit kaum nutzbar gewesen ist. So wie ich halt bin, habe ich mich sofort angeboten, mich darum zu kümmern. Einige Tage verstrichen und irgendwann hat sie mir mitgeteilt, dass man sich nicht mehr um den Laptop kümmern müsse, da man einen neuen gekauft habe. Das war wahrscheinlich keine elegante Lösung. Abgesehen von der Resourcenverschwendung hat die Wirtschaft an diesem Fall profitiert.

Nikon 70-200 2.8 VR und Nikon 70-200 2.8 VR II (2)

In der Kamerawelt spiegelt sich das Beispielsweise ganz gut wieder, wenn man die Iterationen von verschiedene Objektive vergleicht. Das Paradebeispiel ist das Telezoom von Nikon. Die schlauen unter uns meinen jetzt sofort, dass das VR II besser ist als das VR 1. Unabhängig von den technischen Daten, um jetzt nicht verschiedene Datenblätter zu vergleichen und dann sofort zu merken, dass die neuere Iteration z.b. eine andere Zusammensetzung an Elementen und einen erheblich höheren Preis bietet, können wir uns überlegen, was man mit einem solchen Objektiv macht. Ganz schnell wird klar, dass der Anwendungszweck der gleiche ist. Es kommt natürlich in diesem Fall darauf an, welche Objektive bereits vorhanden sind und ob sich eine Anschaffung wirklich lohnt.

Wirtschaftliche Verschwendung

Die Frage, für welches der genannten Beispiele man sich entscheiden soll, ist natürlich jedem selbst überlassen. Man sollte sich natürlich auch im klaren sein, was für Folgen die Entscheidung zum Kauf einer neuen Sache mit sich bringt. Für den Amateur ist die Frage eigentlich ganz schnell und unkompliziert gelöst. Entweder man hat das Geld rumliegen und kann es ausgeben, oder eben nicht. Beim Profi ist die Frage jedoch etwas komplizierter zu beantworten. Die Anschaffung eines Objektiv wie dem 70-200 2.8 VR2 mindern den Gewinn um 2000 Euro. Das hat seine Vor- und Nachteile. Bei sehr viel Umsatz ist der Vorteil, dass für den Gewinn weniger Steuerabgaben fällig werden. In allen anderen Fällen ist die Überlegung der Investition sehr kompliziert. 2000 Euro in die Private Rentenversicherung zu zahlen oder generell zurücklegen könnte auch eine sinnvolle Alternative sein.

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